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Camilla Rando und Saskia Hilgenberg gehören zum Kernteam hinter dem Blogazine MUMMY MAG. Seit 2013 bietet dieses Inspirationen rund um die Themen Mutter sein, Familie und Beruf, Wohnen, Reisen und noch viel mehr. Wir sind Fans des spannenden Mix‘, der von Gesellschaftspolitischem bis Modetrends reicht. Vor allem aber sind wir auch beeindruckt von dem, was die beiden mit ihrem mittlerweile großen Team so alles auf die Beine stellen und offensichtlich nebenbei noch die eigene Familie sowie diverse Jobs managen. „Wie nur machen die das?“, fragen wir uns nicht selten – und haben sie das deswegen jetzt einfach mal direkt gefragt.

Camilla Rando

Quelle: © Marlene Sörensen

Name Camilla Rando
Alter 36
Kinder Helen (6 Jahre) & Oskar (2 Jahre)
Wohnort Berlin
Beruf

Welterobererin 😉

Gründerin MUMMY MAG & Social Moms

Firma www.mummy-mag.de www.socialmoms.de

Saskia Hilgenberg Mummy Mag

Quelle: © Marlene Sörensen

Name Saskia Hilgenberg
Alter 41
Kinder 3 Söhne: 11 und Zwillinge, fast 8 
Wohnort Berlin
Beruf

Diplom-Kauffrau

Co-Founder & Editor in Chief Mummy Mag

Editor & Personal Stylist

Firma

www.mummy-mag.de

www.saskiahilgenberg.de

www.instagram.com/rockzipfel

Liebe Saskia, liebe Camilla – als erstes würden wir Euch gerne ein Kompliment machen: Euer Blog gehört zu den coolsten, die wir kennen! Neben der redaktionellen Arbeit und der Koordination Eures großen Teams, schmeißt Ihr auch noch den Laden zu Hause mit Kind und Kegel. Camilla hat sogar gerade mit „Social Moms“ (www.socialmoms.de) noch die nächste Firma gegründet. Kann es sein, dass Euer Tag mehr als 24 Stunden hat? Oder wie schafft Ihr das gerade alles?

Camilla: Hm, ja, ehrlich gesagt, das fragen wir uns auch immer wieder. Also meine Tage waren ja immer schon sehr herausfordernd. Insbesondere was meine Arbeitszeiten und die Menge der Arbeit angeht. Das so hinzubekommen, dass ich auch genug Zeit mit meinen Kindern habe, hat immer eine sehr große Disziplin erfordert. Das ist jetzt mit meinem neuen Unternehmen natürlich nicht weniger geworden. Aber ich habe in den letzten Jahren vor allem eins gelernt: Teamwork. Es ist enorm wichtig, dass man sich Aufgaben teilt. Keiner von uns kann alles schaffen. Das ist einfach nicht möglich, ohne auch abzugeben. Deshalb bin ich natürlich sehr froh, dass ich zum einen Saskia im letzten Jahr die Redaktionsleitung für das Mummy Mag komplett übergeben konnte und mich zu 100 % auf sie verlassen kann. Das hat mir den Raum für die Social Moms gegeben, wo ich mir übrigens die Geschäftsführung mit Tania im Tandem teile.

 

Saskia: Definitiv hat der Tag sehr zu meinem Leidwesen auch bei uns nur 24 Stunden. Ich denke jeden Abend, jetzt hätte ich gern noch ein-zwei Stunden für mich, schlafe dann aber immer total übermüdet ein. Also auch bei mir ein Minusgeschäft. Trotzdem muss ich sagen, wird es mit dem Alter der Kinder doch besser. Die ersten Jahre mit drei kleinen Kids und Job waren kein leichtes Programm für mich, wenn auch überwältigend schön. Und wie auch sie, ist das Mummy Mag seitdem gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Ich freue mich, dass es dir so gut gefällt. Wir versuchen damit Mummys eine große Bandbreite von Themen zu bieten, die sie interessieren und stärken. Und zwar auch über den thematisch eingegrenzten Babytunnel der ersten Monate hinaus.

Ihr habt beide zwei, bzw. drei Kinder. Wie seid Ihr damals die Themen Elternzeit und Job-Rückkehr angegangen, als das bei Euch aktuell war? Seid Ihr schnell wieder zurück in die Selbstständigkeit (?) gestartet? Und habt Ihr die Elternzeit-Monate mit Euren Partnern gemeinsam genommen?

Camilla: Ach, auch hier lebe ich in einer wirklich privilegierten Situation. Bei meiner Tochter Helene damals hatte ich ganz klassisch aus der Anstellung 12 Monate Elternzeit genommen und mein Mann gar keine. Bei unserem Sohn Oskar war das dann anders, weil ich ja ebenso wie mein Mann selbstständig war. Wir haben einfach alles aufgeteilt, denn Mummy Mag hing ja damals noch sehr viel mehr an mir. Ich hätte nicht nicht arbeiten können. Und ich hatte eine tolle Nanny, die mir zur Seite stand. Das hört sich jetzt natürlich alles sehr easy an, aber es ging auch einher mit extremen finanziellen Einbußen und eine sehr großen Doppelbelastung. Das vergessen leider viele. Ich hab mir das natürlich so ausgesucht, aber es war sicherlich kein Zuckerschlecken im Wochenbett bereits wieder Geschäftstermine wahrzunehmen und zu funktionieren, während man gleichzeitig ein Säugling zuhause hat und auch noch ein großes Kind, dem man gerecht werden muss. Das erzähle ich nicht, weil ich Mitleid haben möchte, aber meiner Erfahrung nach unterschätzen viele diese Belastung einfach. Meine große Stütze war wirklich immer mein Mann, der immer flexibel in seiner Arbeit war, um mich zu supporten.

 

Saskia: Ich habe alle Kinder in der Anstellung bekommen. Nach den Zwillingen habe ich die Agentur gewechselt und gemerkt, dass mein großes Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber Arbeitgeber und Job mit der zusätzlichen Verantwortung für drei sehr kleine Kinder, mir ziemlich starke Bauchschmerzen bereitet hat. So schlimm, dass ich die Situation ändern musste. Damals hatten wir parallel auch gerade das Mummy Mag gestartet. Es fühlte sich dann in der darauffolgenden Selbstständigkeit alles deutlich besser an und die Bauchschmerzen hörten auf. Der Stress blieb natürlich. Ich habe bei allen Kindern allein Elternzeit gehabt.

 

Vielleicht habt Ihr aus Eurer Erfahrung in Bezug auf das Thema einen Tipp für andere Mütter/Schwangere?

Camilla: Überlegt euch gut, was ihr braucht um glücklich zu sein. Ihr müsst keiner Norm, keinem Modell entsprechen. Es geht darum, was euch glücklich macht. Wollt ihr früh wieder arbeiten? Dann tut es. Wollt ihr lieber lange zuhause bleiben? Dann tut es. Und redet am besten bereits schon früh in der Schwangerschaft mit eurem Partner ausführlich darüber. Oft schiebt man dieses Thema auf und dann explodiert es. Oder man ist unzufrieden in der Situation. Aber es gibt heutzutage in Deutschland so viele Varianten. Überlegt euch, wie ihr es euch wünscht und dann kämpft auch darum – den roten Teppich werden euch die wenigsten Arbeitgeber ausrollen…

 

Saskia: Immer auf den Bauch hören und alles, was nicht oberste Prio hat, notfalls runterschrauben, wenn er schmerzt. Die Zeit mit den Kids gibt uns und ihnen niemand zurück.

 

Welche konkreten Lösungen helfen Euch heute im Alltag? (Kita, Babysitter, Homeoffice, 50/50 mit dem Partner, Teilzeit…?)

Camilla: Bei mir ist es eine Kombination aus beidem. Ich habe zwei Kinder und zwei Firmen. Ich habe Freunde und Familie. Ich möchte alles, aber alles zu 100 % ist nicht machbar. Also versuche ich soviel wie möglich miteinander zu verbinden. Für mich war immer klar, dass beide Kinder nach 13 Monaten (Helene) und 15 Monaten (Oskar) in die Kita gehen. Wir haben zum Glück unsere Traumkita gefunden und die Kinder sind dort super happy. Dann leben meine Eltern in der Stadt und übernehmen einen festen Tag in der Woche. Einen zweiten Nachmittag übernimmt unsere Babysitterin, die unsere Kinder vergöttern. Und die restlichen Nachmittage teilen mein Mann und ich uns je nach Bedarf und Terminen auf. Wir sind da mittlerweile wirklich ein echt starkes Team – auch wenn es hin und wieder mal kracht in der Abstimmung. Klar, jeder sieht einfach, was er auf dem Tisch hat. Und was ich enorm wichtig finde, sind flexible Arbeitszeiten. Ich habe ehrlich gesagt auch früher nie in Teilzeit gearbeitet, aber ich hatte immer die Nachmittage mit den Kindern und dann Abends wieder gearbeitet. Klar, hatte ich nicht die entspannten Netflix-Abende wie andere, aber mir war die Zeit mit den Kindern einfach wichtiger. Und heute ist es auch so, dass ich so gut organisiert bin, dass ich wieder mehr Luft am Abend habe. Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich aktuell abends auch gar nicht mehr in der Lage bin, überhaupt noch einen klaren Gedanken zu formulieren. Das wird nach dem Launch der Social Moms aber hoffentlich auch wieder besser.

 

Saskia: Ich habe keinen Babysitter und kümmere mich schon immer um die Kids unter der Woche, weil mein Mann immer viel und Vollzeit gearbeitet hat. Ich habe also immer das Nachmittagsprogramm und arbeite deshalb etwas weniger. Aber zwischen 8 und 16 Uhr liegen ja auch schon mal 8 Stunden 😉 Den Rest mache ich abends oder zwischendurch, wenn möglich.

Was macht Ihr an einem Tag, an dem alles mal so richtig schief läuft – z.B. Kind krank, kein Babysitter da, gefühlt 1 Million unbeantwortete Mails im Postfach und drängende Deadlines – um wieder auf Kurs zu kommen und durchatmen zu können?

Camilla: Das nenne ich ja Alltag. Nein ernsthaft, es ist gefühlt immer irgendetwas. Ich habe vor allem gelernt, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und mich nicht zu sehr zu ärgern. Tief durchatmen und dann eine Lösung finden. Und die sieht halt immer anders aus. Am Ende muss man sehr gut Prioritäten setzen können und dann auch nicht nervös werden. Und Hilfe annehmen, anstelle zu denken, dass man alles selbst schaffen muss. Das war auch ein Prozess für mich, aber heute klappt das ganz gut. Es ist auch okay an Stellen mal Nein zu sagen oder auch einfach mal Dinge nicht zu schaffen. Ganz ehrlich, davon geht die Welt nicht unter. Und morgen sieht eh alles schon wieder ganz anders aus.

 

Saskia: Im Ernst: Ganz tief durchatmen. Und zwar nicht nur einmal!

 #coolmumsdontjudge – den Leitsatz betont Ihr auf Euren Plattformen immer wieder. Habt Ihr das Gefühl, dass es sich Mütter/Frauen manchmal gegenseitig schwer machen?

Camilla: Ja, leider viel zu oft. Das haben wir uns auch wirklich als Lebensaufgabe gemacht, das zu ändern. Im Kleinen und im Großen. Wir Frauen sollten aufhören Dinge so streng zu sehen, immer in schwarz-weiß zu sehen und zu bewerten. Keiner von uns weiß doch wirklich, ob wir alles richtig machen. Es geht doch im Grunde nur darum, dass wir glücklich sind – und unsere Kinder. Und jeder ist anders. Anstelle zu denken, eine andere Mutter belehren zu wollen, weil man selbst von anderen Dingen überzeugt ist, sollten wir uns mit ehrlichem Interesse und Respekt begegnen – es ist erstaunlich wie viel man mit einem Perspektivwechsel lernen kann. Wenn wir das schaffen und uns gegenseitig, dann sind wir Frauen so stark, dass wir alles schaffen können!!! Übrigens war Saskia so eine Mama, die mich vor allem damals bei meinem ersten Kind wahnsinnig gestärkt hat und mir das Gefühl gegeben hat, dass jede meiner Entscheidungen richtig ist. Sie hat mich immer darin bestärkt, auf mein Bauchgefühl zu hören – und das obwohl wir viele Dinge so unterschiedlich leben. Das ist es was ich meine. Jeder hat eine andere Situation und jeder sollte seine Herausforderung meistern, ohne von anderen Frauen noch Stolpersteine in den Weg gelegt zu bekommen. Wir zweifeln eh schon so viel an allem – es wäre so schön, wenn einem einfach ein paar dieser Zweifel abgenommen werden.

Saskia: Ich denke, allgemein sollten sich alle Frauen (ja und natürlich auch alle Menschen) mehr unterstützen. Das Leben ist ja kein Kuchen, den man teilt und der dadurch weniger wird. Der Mensch ist dazu gemacht in einer Gemeinschaft zu leben und ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne glücklicher ist, wenn er andere unterstützt und Hilfe anbietet. Außerdem glaube ich einfach daran, dass die Menschen gut sind und jeder für alles seine Gründe hat. Es gibt immer verschiedene Perspektiven und Blickwinkel, unterschiedliche Lebensweisen und Entscheidungen. Wichtig ist, dass wir nicht verlernen auf unsere innere Stimme zu hören, uns zu vertrauen – und ja auch das Vertrauen in andere nicht zu verlieren!

Und zum Abschluss: Euer Wunsch rund ums Thema Vereinbarkeit – welche Maßnahmen oder Mindsets müssen noch her, damit dieses Thema eines Tages keins mehr ist?

Camilla: Leider muss sich da noch einiges ändern in den nächsten Jahren, aber zumindest ist der Stein bereits ins Rollen gekommen. Wir müssen aber in meinen Augen vor allem gesamt- gesellschaftlich Eltern mehr tragen und unterstützen. Wir müssen gleichzeitig die Gleichberechtigung im Job voranbringen – denn solange zwischen Frauen und Männern noch ein solches Pay Gap besteht, wird es immer ein finanzielles Argument sein, dass die Frau zuhause bleibt und der Mann arbeitet. Und damit hört es dann nicht auf, denn Mütter haben Studien zufolge noch 10 Jahre nach der Elternzeit noch ein finanzielles Minus von etwa 40 %. Das kann doch nicht so stehenbleiben. Wir müssen unsere alten Strukturen im Kopf aufbrechen, es müssen neue Arbeitsmodelle gefunden werden – aber vor allem muss die Gesellschaft insgesamt viel mehr den Gedanke “Familie” tragen. Und weil ich hier so viel kritisiere will ich zum Abschluss unbedingt noch loswerden: Wir leben in einem sehr reichen Land und wir haben hier unglaublich Unterstützung und Möglichkeiten. Es gibt kein anderes Land, dass Familien eine so lange Elternzeit finanziert. Also neben all den Verbesserungen diennötig sind, sollten man dennoch immer über den Tellerrand schauen und sehen, wie gut es uns im internationalen Vergleich geht!

 

Saskia: In allen Bereichen ist es die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern, die uns Frauen leider weiterhin stark benachteiligt. Das, was Camilla alles aufgeführt hat, mündet dann in der drohenden Altersarmut von Frauen. Über Dinge zu reden ist immer ein Anfang um Dinge zu etablieren und zu verändern und das tun wir deswegen auch immer wieder beim Mummy Mag.

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