+49 89 41616260
Ceyda Avunduk ist Mutter von zwei Söhnen, Geschäftsfrau – und vor allem: die Gründerin von littlehipstar. Die Idee zur Firma kam ihr während ihrer ersten Schwangerschaft. Kurze Zeit später setzte sie sie in die Tat um. Mit einem Baby auf dem Arm und vom eigenen Wohnzimmer in Zürich aus. Das Baby geht mittlerweile zur Schule und aus Ceydas Start-up Idee ist ein erfolgreiches Unternehmen mitsamt Zweigstelle in München und rund 15 festen Mitarbeitern geworden. All das wuppt die 36-Jährige gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Adrian.
Name Ceyda Avunduk
Kinder 2 Söhne (4 Jahre und 7 Jahre)
Alter 36
Wohnort Zürich
Beruf Geschäftsführerin
Firma littlehipstar GmbH
Ceyda, Du bist Mutter und Unternehmerin zugleich. Was bedeutet das für Dich? Es bedeutet für mich eine ganze Reihe von Dingen:


  1. Dass ich unglaublich organisiert sein muss 🙂
  2. Dass ich meine Zeit optimal einsetzen muss, um beiden – meinen Kindern und meinem Business – so viel Aufmerksamkeit wie möglich zukommen lassen kann.
  3. Dass es mit Unterstützung von außen sehr wohl möglich ist, ein Unternehmen zu führen und zugleich Mutter zu sein.
  4. Dass wir Mütter nicht allein an die Aufgabe des Mutterseins gebunden sind, sondern dass wir fähig sind, viele Dinge auf einmal zu managen.
„Du kannst nicht alles haben.“ – Diesen Vorwurf bekommen arbeitende Mütter häufig zu hören. Was ist Deine Meinung dazu? Würdest Du sagen, Du „hast alles“? Nein, ich stimme der Aussage zu. Man kann tatsächlich nicht alles haben. Nichtsdestotrotz kann man es sich zum Ziel setzen, so viel wie möglich zu haben. Ich persönlich habe vielleicht mehr Unterstützung oder Möglichkeiten, als andere Frauen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht genauso Schuldgefühle in Bezug auf meinen Job habe. Oder gegenüber meinen Kindern. Auch ich schaffe nicht alles auf einmal. Der Tag hat nunmal nur 24 Stunden und ja: „The struggle is real.“ Das gilt für alle Mütter.

Welche Lösungen hast Du für Dich gefunden, um Arbeits- und Familienleben im Alltag zu organisieren?  

Mein Mann packt mit an wo und wann immer sein Job es ihm erlaubt. Meine Eltern leben in der Stadt und meine Mutter hilft mir wahnsinnig viel. Dazu haben wir eine Nanny, die ein paar Mal pro Woche kommt und uns auf (Geschäfts-)Reisen begleitet, falls es notwendig ist. Obendrein sind unsere beiden Kinder früh in eine Kita gegangen. Mittlerweile sind sie 4 und 7 Jahre alt und somit beide in der (Vor)Schule. Das ist in Sachen Zeitplanung eine große Erleichterung im Vergleich zu vorher, da ich in der Zeit arbeiten kann. Last but not least haben wir Unterstützung in Sachen Putzen und Haushalt.

Ceyda Avunduk Kinder

Deine Eltern stammen aus der Türkei, Du bist in der Schweiz aufgewachsen und hast in den USA studiert. Wie vertraut bist Du mit der deutschen Begrifflichkeit der „Rabenmutter“ – gerade wenn es um Mütter geht, die Vollzeit arbeiten? Glaubst Du, das ist eine typisch deutsche Konstruktion? 

Ehrlich gesagt hatte ich den Begriff bisher noch nie gehört. Ich musste ihn erst nachschlagen. Soweit ich verstehe, geht es hier um Mütter, die nicht jeden einzelnen Moment im Leben ihrer Kinder präsent sind – und den Raum, den das für Kritik einräumt. Und meine einzige Antwort darauf ist: Don’t judge. Zum einen kann man als Außenstehender gar nicht beurteilen in was für einer finanziellen Situation sich eine Familie befindet. Allein deswegen wäre es falsch jemanden dafür zu kritisieren, dass er Vollzeit arbeitet. Außerdem stärkt es einen unglaublich, wenn man als Frau zugleich Mutter ist und arbeitet. Ich bin mir zu 99,999% sicher, dass die arbeitende Mutter sowieso schon Schuldgefühle hat und ihr Bestes gibt, damit es funktioniert.

Kids of Working Moms Grow into Happy Adults

Zufolge einer Harvard Studie ist es außerdem wahrscheinlicher dass Töchter von arbeitenden Müttern später selbst berufstätig sind. Söhne von arbeitenden Müttern hingegen haben ein größeres Bewusstsein für Gleichberechtigung und bringen entsprechende Verhaltensweisen mit. Zudem bin ich überzeugt dass arbeitende Mütter – gerade weil die Zeit, die wir mit unseren Kindern haben, limitiert ist – extrem gut darin sind, ihre Zeit effizient zu managen. Hier ist der Link zum Artikel mit der Harvard Studie: https://hbswk.hbs.edu/item/kids-of-working-moms-grow-into-happy-adults

Glaubst Du, dass dieser „Rabenmutter-Vorwurf“ etwas typisch Deutsches ist?

Das ist für mich schwer zu sagen, da ich nicht in Deutschland lebe und die Kultur und ihre Unterschiede im Vergleich zur Schweiz gerade erst kennenlerne. Soweit ich es allerdings beurteilen kann, gibt es hier nach wie vor eine extreme Verurteilung von Müttern, die arbeiten – was meiner Meinung nach eine Schande ist, die Zeiten haben sich schließlich geändert.

Die Mehrheit der Angestellten in Deiner Firma sind Mütter. Das scheint im Vergleich zu anderen Unternehmen eine große Ausnahme zu sein. Zu oft ist die Rede von angeblich ständigen Krankmeldungen, weniger Reisebereitschaft, weniger Planbarkeit etc. wenn es darum geht, Mütter anzustellen. Warum ist das so? Was würdest Du sagen, sind die Vorteile daran mit Müttern zusammenzuarbeiten – sofern es welche gibt?

Niemand kann verleugnen, dass es zu Einschränkungen am Arbeitsplatz kommen kann, wenn man Mütter einstellt. Natürlich kann es zu Ausfällen durch Schwangerschaften, Krankmeldungen etc. kommen. Das gehört zu den „Risiken und Nebenwirkungen“ bei Müttern im Angestelltenverhältnis. Die Mütter jedoch, die wir eingestellt haben, teilen ihre Zeit deswegen sehr klug ein. Sie sind ehrgeizig, smart und arbeiten hart. Sie wertschätzen die „Auszeit“ vom Muttersein, die durch das Arbeiten möglich wird. Sie gehen weit über ihre Pflichten hinaus. Ich glaube, dass ein Job abseits von zu Hause eine große Quelle der Bestärkung ist. Und ich glaube, dass jede Mutter es verdient, mehr als „nur“ Vollzeitmutter zu sein, wenn sie es sich wünscht. Wenn sie es jedoch nicht möchte, ist das meiner Meinung nach ganz genauso in Ordnung.

Berufstätige Mütter neigen dazu in Teilzeit zu arbeiten. Das wird häufig als „Karrierekiller“ angesehen. Siehst Du das auch so? Wie funktioniert das bei Euch in der Firma? Gibt es bei Euch z.B. geteilte Stellen?

Ich gebe zu, dass Teilzeitjobs für manche Firmen vielleicht nicht optimal sind – das kommt sehr auf die Branche an. In unserer Firma funktioniert es. Wie schon gesagt – Mütter sind extrem gut darin, ihre Zeit zu managen. In unserem Fall heißt das: Solange die Deadlines eingehalten werden, ist es uns ziemlich egal, wann oder wo die Arbeit gemacht wurde – solange alles entsprechend der Prioritätensetzung erledigt ist. Das ist das Schlüsselwort – Prioritätensetzung – wenn wir die einhalten, sind wir mehr als zufrieden.

Aus Deiner eigenen Erfahrung heraus: Was würdest Du als Schlüsselfaktoren für ein mütter- bzw. elternfreundliches Arbeitsumfeld definieren?

Ein positive und verständnisvolle Grundhaltung, die Anerkennung der Tatsache, dass Eltern viele Dinge auf einmal im Griff haben müssen – und es deswegen z.B. möglich zu machen, dass sie von zu Hause arbeiten können, wenn es nötig ist. Teamwork und gegenseitige Unterstützung sind ebenfalls essenziell in unserer Firma. Es ist bei alldem aber auch wichtig, die richtige Balance für alle Nicht-Eltern bei uns zu finden – das ist Aufgabe von mir und meinem Geschäftspartner Adrian. Angestellte ohne Kinder sind flexibler und natürlich machen sie deswegen oft mehr Überstunden – was sehr belastend werden kann.

Und, nachdem Du beide Perspektiven kennst – die der Mutter und die der Unternehmerin – was würdest Du sagen, ist der Kompromiss den Eltern bereit sein müssen, ihrem Arbeitgeber gegenüber zu erbringen?

Ganz einfach: Wertvolle Zeit mit ihren Kindern aufgeben, um zu arbeiten.

Gibt es irgendwelche Probleme, von denen Du sagen würdest, dass Du sie anfänglich unterschätzt hast – die sich aber in der Zusammenarbeit mit Müttern als schwierig herausgestellt haben?

Was ich unterschätzt habe, ist die deutsche Kultur, wenn es darum geht, Unterstützung anzunehmen – oder vielmehr, sie nicht anzunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen. Und das ist der kulturelle Unterschied. Ich habe viele Eltern kennengelernt, die sich gegen Hilfe von außen entscheiden (selbst dann, wenn sie es sich finanziell leisten könnten). Das zu verstehen, damit habe ich Schwierigkeiten. Wenn es aber wirklich keine Option ist, respektiere ich das. Entsprechend ist das Thema Flexibilität in unserer Firma aber immer mal wieder ein schwieriger Punkt.

Und zu guter letzt: Was ist Dein Rat an alle Frauen, die aufgrund ihrer Jobsituation mit der Entscheidung hadern, Mutter zu werden? Und für alle die, bei denen es genau anders herum ist?

An alle Frauen, die wegen ihres Jobs damit hadern Mutter zu werden: Arbeit läuft nicht weg. Aber die Chance so zu lieben, wie Du es nie zuvor getan hast, ist endlich. Solange man kein Kind hat, kann man es nicht einschätzen, aber was alle Eltern Dir sagen werden ist: Egal vor wie viele Herausforderungen es Dich stellen mag – am Ende ist es all das 110% wert.

Ceyda Avunduk Kinder

Allen Müttern, die zögern wieder zurück in den Job zu kehren, würde ich sagen: Es ist extrem bereichernd und bestärkend. Es gibt Deinem Leben zusätzliche Motivation. Die Qualität der Zeit, die Du mit Deinen Kindern verbringst, wächst – und Dein Selbstwertgefühl ebenfalls. Und wenn Du die Möglichkeit hast, Dir irgendeine Art der Unterstützung in Bezug auf die Kinderbetreuung zu organisieren, ist mein Rat: Tu es!

Pin It on Pinterest