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Adrian Vogel ist neben Ceyda Avunduk der zweite Geschäftsführer von littlehipstar. Neben seiner Position als CTO, ist er Kopf des 10-köpfigen Münchner Teams – und sorgt gerne mal dafür, dass neben aller kreativen und bürokratischen Arbeit auch Zeit für gemeinsame Fitnesssessions oder Lunchpausen bleibt. Vor seinem Eintritt in die Geschäftsführung von littlehipstar hat der ausgebildete Grafik Designer seine eigene Agentur geleitet.
Name Adrian Vogel
Alter 35
Wohnort München
Beruf CTO & Creative Director
Firma littlehipstar GmbH

Adrian, Du begleitest littlehipstar schon seit der Entstehung des Shops. Anfangs noch als freier Grafikdesigner, heute als Chief Technology Officer und Mitinhaber. Wie kam es dazu?

Ein gemeinsamer Freund, bzw. damaliger Kunde aus New York hat uns zusammengebracht. Ceyda wollte damals die erste Beta-Version von littlehipstar programmieren und designen lassen – und ich tat als Inhaber einer Münchner Grafikagentur genau das. It was a match! Über die Jahre hat sich dann gezeigt: Das hat richtig Potenzial. Und hat deswegen aber auch so viel Raum eingenommen, dass andere meiner Projekte in den Hintergrund rutschten. Irgendwann wann war klar: Es geht nur noch littlehipstar oder die Agentur. An dem Punkt habe ich meine anderen Aufträge abgegeben, die Agentur geschlossen und teile mir seitdem die Geschäftsführung mit Ceyda bei littlehipstar. Zum Glück, denn heute weiß ich: Es war genau die richtige Entscheidung!

Das littlehipstar-Team ist vor allem in den letzten zwei Jahren extrem gewachsen. Viele Eurer Angestellten sind Mütter von mindestens einem Kind. Ist das Zufall, oder eine ganz bewusste Entscheidung?

Zufall ist es mit Sicherheit nicht. Es ist klar, dass littlehipstar für Eltern sehr interessant ist. Allein aufgrund der Thematik: Eltern wollen mit ihren Kindern und deren Themen mitwachsen. Das können sie bei uns – und so das littlehipstar-Angebot aktiv von innen verbessern. Sie leben unsere Produktwelten schließlich tagtäglich mit ihren Kindern.

Es gibt bei uns im Team z.B. einen sogenannten „ Random-Chat“, in dem man Ideen oder Produkte, einwerfen kann, die man gesehen hat. Mit der Frage: Wäre das nicht auch etwas fürs Sortiment von littlehipstar? Außerdem probieren wir auch sehr flexible Arbeitsmöglichkeiten zu bieten und auf die Bedürfnisse von Müttern, bzw. Eltern einzugehen.

Im Gegensatz zu Deiner Geschäftspartnerin Ceyda, die mit ihrem Ehemann zwei Söhne hat, lebst Du mit Deinem Verlobten ohne (zumindest derzeit) Kinder zusammen. Sorgt das dafür, dass Ceyda und Du einen anderen privaten – und dadurch auch beruflichen Rhythmus habt? Also z.B. wenn es um das Timing von gemeinsamen Meetings geht? Falls ja, wie löst Ihr das? 

Das ist eigentlich sehr einfach! Dadurch, dass ich flexibler bin, kann ich mich nach Ceyda – oder auch anderen Teammitgliedern, die das betrifft – richten. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Schließlich habe ich keine Kinder, die ich zur Schule oder in den Kindergarten bringen muss. Ceyda und ich kennen zudem unsere Zeitpläne mittlerweile sehr genau. Wir haben z.B. spezielle Zeiten eingeführt, die bei ihr ganz klar für die Familie reserviert sind. Von 5 bis 8 Uhr abends z.B. ist völlig klar, dass sie für ihre Kinder da ist und deswegen nicht erreichbar – dann rufe ich sie auch nicht an. Wir können außerdem gegenseitig unsere Kalender einsehen und so weiß ich, wann sie Termine für/mit den Kindern hat. Und da plant man dann eben drumherum. Organisation ist bekanntlich Alles! 

Was auch hilft ist die gemeinsame Zeit mit meinem Patenkind Lio. Wir haben ein sehr enges familiäres Verhältnis und so habe ich einen gewissen Einblick wie es bei Ceyda und meinen Kolleginnen Tagsüber aussieht.

„Mütter am Arbeitsplatz? Das gibt doch nur Probleme und Kosten (Elternzeit!/Ausfälle! etc.)…“ – diesen Standpunkt vertreten nach wie vor viele Personalverantwortliche. Was würdest Du ihnen antworten?

Das ist wie immer im Leben: Solche Verallgemeinerungen helfen eigentlich nie. Denn erstens werden sie niemandem komplett gerecht und zweitens zementieren sie oberflächliche Ansichten, anstatt eine Lösung zu suchen. Menschen sind individuell – z.B. auch Arbeitnehmer ohne Kinder, die extrem viel krank sind. Deshalb möchte ich nicht pauschalisieren.

Aus meiner Erfahrung ist es so, dass Mütter grundsätzlich sehr viel in wenig Zeit leisten müssen und das macht sie sehr effizient. Viele befinden sich in einem kosntanten Konflikt: Auf der einen Seite wollen Sie für Ihre Kinder und Familie da sein. Auf der anderen auch beruflich etwas erreichen, leisten und sich selbst als verwirklichen. Das ist zuweilen eine enorme Belastung die auch unbefriedigend sein kann. Dieses Spannungsfeld zu verstehen und intelligente Lösungen anzubieten um die Belastung besser zu verteilen ist meiner Ansicht nach Aufgabe eines modernen Arbeitgebers.

Fast ebenso oft wie die oben genannte Negativ-Floskel gegenüber Müttern, hört man die Meinung, Frauen mit Kind seien selbst schuld an eventuellen Karriereknicks etc. – weil sie sich selbst unterschätzten, in die sogenannte „Teilzeitfalle“ rutschten oder generell mit zu wenig zufrieden gäben. Stimmt das mit Deiner Erfahrung als Arbeitgeber überein?

Das ist keine einfache Frage. Aber ja, ich glaube, faktisch ist es in unserer Gesellschaft – leider – so, dass es für die Karriere nicht unbedingt förderlich ist, Teilzeit zu arbeiten. Oft wird ja z.B. gezögert, jemandem, der durch Elternzeit bedingt längere Zeit abwesend war, wieder große Verantwortung zu geben. Auch wenn ich selber glaube, dass dadurch viel Potenzial verloren geht! Bei littlehipstar sind wir da offener und versuchen, gemeinsam auszuloten, was möglich ist. Im Allgemeinen würde ich aber sagen, Mütter, die in einer Jobsituation mit hohem Frustrationspotenzial stecken, sind auch selbst gefragt – und sollten, falls es nicht lösbar ist, so lange suchen, bis sie wieder eine Stelle finden, die ihnen gerecht wird und sich eben nicht mit weniger zufrieden geben.

Und mal ganz ehrlich, gibt es auch Momente, in denen Du Dir ein Team aus ausschließlich kinderlosen Workaholics herbeisehnst?

Eigentlich nicht. Das Einzige was ich manchmal schade finde, ist wenn wir uns abends mal treffen wollen, dass viele unserer Teilzeitmütter einfach nicht dabei sein können. Da wünsche ich mir natürlich schon, dass das ganze Team am Start wäre. Das heißt aber nicht, dass ich lieber ein Team aus kinderlosen Workaholics hätte, da würde uns sehr viel fehlen!

Ganz konkret: Welche technischen Tools würdest Du sagen, sind für Euer Team bei littlehipstar unerlässlich? Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass viele Teammitglieder „nur“ in Teilzeit und an verschiedenen Orten präsent sind?

Also… Was wir viel benutzen, ist Slack. Das ist ein mittlerweile bei Unternehmen sehr verbreitetes Chatprogramm. Auch wenn ich zwar mittlerweile gar nicht mehr ganz so überzeugt davon bin: Mindestens fürs Homeoffice ist es hilfreich, weil man sich schnell austauschen kann, inkl. Dateien etc. Das hilft! Außerdem ist ein To-Do- oder Ticketprogramm wie Asana ist absolut unabdinglich. Und zwar für den Zweck, dass man über Grenzen hinweg – wir haben ein Team in München und eins in Zürich – Aufgaben koordiniert , gerade für Leute, die nicht jeden Tag im Büro sind. Und ganz ehrlich: Egal ob Skype oder ein anderes Konferenzsystem (ich benutze Facetime) – ohne könnte ich gar nicht mehr leben! Es ist einfach so wichtig, dass man ab und zu mal miteinander spricht und Reaktionen im Gesicht sieht. Super wichtig sogar! Von daher wären das meine Top 3 Tools, die ich sehr vermissen würde, wenn wir sie nicht hätten. 

Gibt es zusätzlich Tools, Einrichtungen oder auch gesellschaftliche Einstellungen, die Du Dir wünschen würdest, damit es noch besser funktioniert?

Hmm, das ist eine weitgefasste Frage! Lassen wir hier doch mal technische Tools außen vor – es gibt garantiert genügend Apps auf dieser Welt.

Ich denke, die Gesellschaft sollte sich endlich mal mit diesem Spannungsfeld beschäftigen. Dieses ganze Ding mit „Vereinbarkeit von Karriere und Elternschaft“, das ist eine wirkliche Floskel, die ich ganz gerne mal irgendwann bearbeiten würde. Es gibt heute so viel Ansprüche an Mütter: Wenn sie zu wenig für die Kinder da sind, ist es schlecht, wenn sie nicht arbeiten ist es auch schlecht. Eigentlich sollen sie Alles-Könnerinnen mit 48-Stundentag sein. Vollzeit-Job und Vollzeit-Kinder. Das geht ja alles nicht zusammen und da fehlt Realismus in der Gesellschaft. Es ist logisch, dass Mütter das unglücklich machen kann.

Auf der anderen Seite würde ich mir manchmal wünschen, dass Mütter verstehen, dass das schlechte Gewissen, was sie sich da aufhalsen, nicht zwingend nötig ist. Sondern selbstgemacht durch ihre gesellschaftlich Normen, die eventuell hinterfragt werden müssen. Sie können ihr Familien- und Berufsleben selbst definieren. So, wie sie es für richtig halten. Und wenn sie merken, dass sie beidem nicht gerecht werden, dann sollte überlegt werden, was geändert werden kann. Denn ein Mitarbeiter, der dauerhaft unter Stress steht und unglücklich ist – ob Mutter oder nicht – das wissen wir alle, ist nicht gesund.

Es sind also zwei Sachen, die ich mir wünschen würde: Eine realistische Einschätzung der Gesellschaft, was Eltern da leisten. Und eine realistische Einschätzung der Mütter bzw. Eltern, was sie leisten können und wollen .

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